HANS KÛNG UND SEIN INTERVIEW IN DER ZEITUNG LE MONDE VON GESTERN

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HANS KÛNG UND SEIN INTERVIEW IN DER ZEITUNG LE MONDE VON GESTERN
Bekannt als der beste und berühmteste katholische Theologe seiner Zeit, der seit Jahren mit einem Lehrverbot belegte Tübinger Professor übt am heutigen Papst Benediktus den XVI. eine äußerst harte Kritik aus.  Einige werden sogar von Rücksichtslosigkeit sprechen. Wäre es nicht die außerordentliche Persönlichkeit des Betroffenen und die hohen Verdienste, die er sich im Laufe seines Lebens –er ist heute 81 Jahre alt- erworben hat, hätte ich von einer Abrechnung mit dem Heiligen Vater gesprochen. Darum geht es aber nicht. Das ist mindestens der zweite namhafte deutsche Theologie, der sich, sagen wir, am Papst, so klar vergreift. Damit will ich nicht nahe legen, dass jede Kritik am Papst unannehmbar ist; ich meine nur, dass auch die leiseste Bekrittelung dieses heiligen Mannes (wie man ihn gewöhnlich charakterisiert) als ein Dorn im Auge der Katholiken betrachtet ist. Nicht alle vermögen nach dem philosophischen Sinn des so-genannten Unfehlbarkeitsdogmas tiefer zu schürfen. Die überwiegende Mehrheit der Gläubigen nimmt das beim einfachen Wortsinn, ohne zu bedenken, dass das nur als Ergebnis des heiligen Geistes, der das Konzil begleitet und die göttliche Eingebung einhaucht, aufzufassen ist. Und da der Papst diesem geisten Gebäude vorsitzt, d.h. an dessen Spitze sitzt, soll (sollte?) er unfehlbar sein…
Der Leitfaden des Interviews von Hans Küng ist der folgende: der Papst, obwohl er damals zu den besten Experten vom Vatikanischen  Konzil gehörte, wäre, im Grunde genommen, ein Antimodernist, der den theologischen Durchbruch der großen Versammlung der sechziger Jahre  eher bremsen als beschleunigen wollte.  Seine eigene Nature hätte ihn dazu bewogen, der Modernität die Stirn zu bieten.
Was die Auflösung der Ausschließung der vier Bischöfe angeht, so handle es sich, nach Küngs Meinung, um hart gesottene Antisemiten, die es mit dem Judentum nie milde und aufrichtig werden meinen wollen. Dem Papst soll der Hauptzug, dieses abscheuliche Merkmal der Würdenträger entgangen sein, weil einige Kuriekardinäle, so Küng, mindestens einige unter ihnen, die gleichen Absichten wie die abtrünnigen, mit dem Bann belegten Bischöfen tief in sich verbergen. Hans Küng führt Stellen eines Interviews vom seligen Prälat Lefebvre an, der sogar den Namen  von Josef Ratzinger als einen seiner geheimen Anhänger nannte. Wäre dieser Hinweis wohl begründet, so stünde der heutige Papst wirklich im Zwielicht, wie es kürzlich, als die Kontroverse ausbrach, Herr Kollege Karl-Josef Kuschel in der Neuen Zürcher Zeitung meinte…
Hans Küng  will es aber nicht dabei bewenden lassen. Er führt seine ätzende Kritik weiter: unter dem Pontifikat von Benediktus dem XVI läuft die Kirche das Risiko, zu einer Sekte zusammenzuschrumpfen! Er stellt die These auf, der heutige Papst huldige der Theorie, die man damals bei den alten hebräischen Propheten den Schéérit Israël (der Rest, die Überbleibsel von Israel) nannte, das heißt, die Kirche solle auf die absolute Reinheit ihrer Lehre und Tradition alles setzen, sie soll sich davon nicht abbeißen, auch wenn der Preis dafür eine Aderlass bis aufs Weiße sein sollte…  Das käme einer absoluten und törichten Verarmung gleich, bloß um die älteren Stellungen, einzuhalten, um die vom Mittelalter auf das heutige Christentum vererbten Lebens- und Meinungsauffassungen aufrechterhalten zu können. Anders ausgedrückt hätte der heutige Papst, seiner echten Natur und religiösen Beschaffenheit folgend, die Zukunft einer elenden, dürftigen Gegenwart aufgeopfert.
Dem ganzen Interview darf man entnehmen, daß Küng seine Kritik an der katholischen Kirche gar nicht entkräften will. Er spricht von der Abschaffung des Priesterzölibats, von den Schwangerschaftsverhütungsmitteln, von der heiligen Messe, die nicht mehr auf Latein abgehalten werden darf, indem wir wissen, daß der heutige Papst eine Sondererlaubnis denen, die dem alten Kult nachweinen, eine Sondergenehmigung, gewährt hat, was sehr gegen den Strich der überwiegenden Mehrheit der Kirche gegangen ist.
Der allerletzte Punkt des Interviews betrifft den Papst als deutschen Staatsbürger. Wie mir aus berufener Stelle (selbstverständlich mit gebotener Vorsicht) bestätigt wurde, versuchten einige unterrichteten Kreisen in Deutschland, Frau Bundeskanzlerin  Angela MERKEL von ihrem Vorhaben abzubringen dem Papst einige unabdingbaren Sachverhalte ins Gedächtnis zurückzurufen, nämlich dass man von ihm, als deutschem Staatsbürger so etwas nie hätte erwarten können noch dulden . Nach einigen Beobachtern wäre so etwas angesichts der Persönlichkeit des Papstes ganz unangebracht gewesen; die mutige Pfarrertochter ließ sich von ihrem Vorhaben aber nicht abbringen: nach Auffassung vom Berichterstatter gereicht ihr das zur Ehre.
Der Papst soll nun endlich verstehen (das sage ich bei allem Respekt) dass es höchst an der Zeit ist, diejenigen beiseite zu lassen, die für Unruhe gesorgt haben.  In der deutschsprachigen Presse der Schweiz hat die Herangehensweise des heutigen Papstes eine Welle der Entrüstung ausgelöst und es wird nicht leicht sein, die Wogen zu glätten, wie ich in einer Zeitung von Zürich gelesen habe. Der Preis sei zu hoch, um weniger als zweihunderttausend Seelen in den  kirchlichen Mutterschoß zurückzubringen. Und in der Tat wurden zu diesem Behuf der Ruf, die Autorität und die Zukunft der Kirche gefährdet.
Hoffentlich nicht unwiederbringlich…

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